In memoriam Stéphane Charbonnier

„Die Kurden verteiden uns alle“

Ich bin kein Kurde, kenne kein einziges kurdisches Wort, wäre nicht imstande, einen kurdischen Autor zu zitieren. Die kurdische Kultur ist mir völlig fremd. Ach, doch! Es kam vor, dass ich kurdisch gegessen habe. So oder so, heute bin ich Kurde. Ich denke kurdisch, ich spreche Kurdisch, ich singe auf Kurdisch, ich trauere auf Kurdisch. Die belagerten Kurden in Syrien sind keine Kurden, sie sind die Menschheit, die sich der Finsternis widersetzt. Sie verteidigen ihr Leben, ihre Familien, ihr Land, und- ob sie es wollen oder nicht- sie sind das einzige Bollwerk gegen den Vormarsch des „Islamischen Staates“. Sie verteidigen uns alle, nicht gegen einen phantasierten Islam, den die Terroristen von Daesh nicht verteten, sondern gegen das barbarischste Gangstertum. Wie glaubwürdig kann die angebliche Koalition gegen die Halsabschneider sein, wenn viele ihre Mitglieder aus unterschiedlichsten Gründen mit ihnen zusammengearbeitet haben haben und (noch immer bestimmte) strategische, politische und ökonomische Interessen teilen?
Gegen den Zynismus und den Tod steht heute das kurdische Volk. (L’Humanité , 22.10.2014, Übersetzung: ISKU)

Stéphane Charbonnier (Charb), französischer Karikaturist und Chefredakteur der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“, wurde am 7. Januar 2015 gemeinsam mit 11 weiteren Menschen bei einem mutmaßlich islamistischen Angriff auf die Redaktionsräume seiner Zeitschrift ermordet.

Orignal: Les Kurdes nous défendent tous